"Hol Dir die Spesen doch vom Finanzamt!"

Benutzeravatar
Zita
Beiträge: 372
Registriert: So 21. Feb 2016, 20:50
Wohnort: Hagen

"Hol Dir die Spesen doch vom Finanzamt!"

Beitragvon Zita » So 3. Sep 2017, 06:24

Es gibt Sätze, die sind unausrottbar und sobald ich diesen hier höre, breche ich das Gespräch normalerweise ab:

"... dann hol Dir die Spesen doch vom Finanzamt."


Um es mal ganz klar zu sagen: das Finanzamt zahlt keine Spesen aus!


Es ist Aufgabe des Finanzamtes, die Höhe der Steuer (in diesem Fall: der Einkommensteuer) zu berechnen und darauf zu achten, daß jeder, der steuerpflichtig ist, sein Geld abliefert. (Das "Abliefern" übernimmt der Arbeitgeber.)
:teasing-signhere:


Und was haben Spesen damit zu tun?

"Spesen" ist ein Wort für "Verpflegungsmehraufwand". Damit ist der Geldbetrag gemeint, den jemand über seine gewöhnliche Verpflegungskosten hinaus ausgibt, weil er aus beruflichen Gründen unterwegs essen muß. Im Weltbild des Steuerrechts ist es billiger, zuhause zu kochen und gemeinsam mit der Familie zu essen als sich unterwegs allein zu verpflegen. Daß man das im Urlaub vielleicht auch tut, ist dem Finanzamt egal, aber wer arbeitet und deshalb höhere Ausgaben hat als jemand, der zuhause ißt, soll darauf keine Steuern zahlen.

Also: der Teil des Verdienstes, den man im Zusammenhang mit dem Job wieder ausgibt ist steuerfrei - also auch der Betrag, den man zusätzlich aufwendet, weil man nicht zuhause essen kann (man ist ja schließlich unterwegs um zu arbeiten).


Allerdings zieht der Arbeitgeber vom Verdienst den Betrag, der als Steuern an das Finanzamt gezahlt werden muß ja schon ab und liefert ihn dort ab.


Um zu erreichen, daß auf den Verpflegungsmehraufwand keine Steuern gezahlt werden, kann der Arbeitgeber entweder den Betrag komplett an den Arbeitnehmer überweisen ohne die Steuern abzuziehen (das sind dann die Spesen) oder der Arbeitnehmer holt sich die Steuern auf diesen Betrag an Ende des Jahres vom Finanzamt zurück.

Aber er bekommt natürlich nur die Steuern auf den Teil seines Verdienstes zurück, der zusätzlich zur Verpflegung daheim gezahlt werden muß, weil er unterwegs ist.


Um die Rechnung zu vereinfachen hat der Gesetzgeber für alle Arbeitnehmer festgelegt, daß pauschal 24 € pro Tag anerkannt werden, wenn er in Deutschland unterwegs ist. Das heißt nicht, daß die Ernährung 24 € pro Tag kosten soll (es ist dem Finanzamt völlig egal, was und wieviel jemand ißt oder wieviel das kostet).

Das heißt, daß jemand, der den ganzen Tag in Deutschland unterwegs ist um zu arbeiten bis zu 24 € mehr für seine Verpflegung zahlt, als wenn er zuhause essen würde und darauf keine Einkommensteuer zahlen soll.


Das, was man sich vom Finanzamt (zurück-)holt, sind also nicht "die Spesen" sondern Steuern, die der Arbeitgeber an das Finanzamt gezahlt hat und die dem Finanzamt deshalb nicht zustehen, weil der Arbeitnehmer das Geld für seine Verpflegung ausgeben mußte - weil er beruflich bedingt nicht daheim essen konnte.


Soviel zu dem Gerücht, daß man sich die Spesen vom Finanzamt holen könne!


:techie-typing:
... der werfe den ersten Stein!

Zurück zu „Transportbegleiter“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast