Demontage von Verkehrsschildern als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

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Zita
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Demontage von Verkehrsschildern als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Beitragvon Zita » Do 18. Mai 2017, 02:23

Eigentlich ist es ganz einfach: Transportbegleiter begleiten Schwertransporte.


Aber in der Praxis tun Begleiter einiges mehr um sicherzustellen, daß der Transport am Ende der Nacht sein Ziel erreicht hat. Unter anderem ist es gar nicht mal so selten, daß Verkehrsschilder oder Leitpfosten entfernt werden, die unplanmäßig im Weg stehen. Das kann üble Folgen haben:

vor kurzem passierten in Neu-Wulmsdorf in kürzester Zeit vier Verkehrsunfälle, nachdem der Mitarbeiter einer Sicherungsfirma als Vorhut eines Schwertransportes die Schilder einer Verkehrsinsel demontierte ohne die Gefahrenstelle abzusichern.


Das Ergebnis?


...
Die Polizei leitete gegen den Mann ein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ein.

Quelle:
http://m.abendblatt.de/region/harburg-l ... nuten.html


Dabei sind Mitarbeiter von Sicherungsfirmen im Gegensatz zu Begleitern normalerweise berechtigt, Verkehrsschilder zu demontieren.


Gute Fahrt allerseits


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Zita
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Re: Demontage von Verkehrsschildern als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Beitragvon Zita » Fr 19. Jan 2018, 21:17

Der vorige Beitrag sollte eigentlich nur die Botschaft an Begleiter absetzen, ihre Hände möglichst von Verkehrsschildern zu lassen - man kann sich da richtig in Schwierigkeiten bringen!


Aber auch Fachleute sind nicht sicher vor Schadenersatzforderungen:

Die Metallplatten, die am Kreisverkehr an der B 67 / L 7 verlegt wurden, um diesen für Schwertransporter zu erweitern, stehen in der Kritik. Ulrich Sailer, Geschäftsführer des Autohauses Trockle, hat sich dort bereits eine Felge beschädigt.
...
"Ich hörte ein Geräusch und spürte einen Widerstand beim Lenken", sagt Ulrich Sailer. Dann fuhr er zum Kreisverkehr zurück, um Fotos von der Metallplatte zu machen, deren Kante über dem Asphalt schwebte."
...

Quelle:
http://m.rp-online.de/nrw/staedte/emmer ... -1.6941624


Die Bilder sind am hellichten Tage gemacht - wir reden also hier von einem professionellen Fahrzeuglenker, der so nah an ein gut sichtbares Hindernis fuhr, daß er eine Felge beschädigte. (Was wahrscheinlich auch einigen der Leser dieses Beitrages schon passiert sein wird?!)

So weit - so ärgerlich.

Bemerkenswert ist aber, daß nicht der Fahrzeuglenker den Schaden tragen will - er will denjenigen in Regreß nehmen, der die Stahlplatten dort platziert hat.


...
In einem Brief an Bürgermeister Christoph Gerwers kritisierte Ulrich Sailer am 21. Juni die "außerordentlich fahrlässige Verlegung dieser Platte" und wies auf "ein folgenschweres Gefährdungspotenzial für Rad- und Motorradfahrer" hin, "welches für letztere auch zu tödlichen Unfällen führen kann". Mit seinen Fotos untermauerte er die Forderung, den "Gefahrenbereich mit sofortiger Wirkung zu entschärfen". Zugleich stellte Sailer der Stadt Rees die Behebung des Schadens in Rechnung: "1 Stk. Felge Alu 17" inkl. Montage 308,00 EUR netto."
...
Tatsächlich wurde die Erweiterung des Reeser Kreisverkehrs nicht von der Behörde Straßen NRW veranlasst, sondern nur genehmigt.
...
Der Geschädigte fordert allerdings, dass die 380 Euro "bürokratielos und zeitnah" in voller Höhe erstattet werden.
...

Quelle:
http://m.rp-online.de/nrw/staedte/emmer ... -1.6941624


Hier geht es um einen minimalen Schaden bei minimaler Ursache: eine in den Verkehrsraum ragende Stahlplatte verursacht einen Kratzer an einer Felge! Aber es braucht nicht viel Phantasie, um sich die Folgen eines größeren Schadens oder auch die unbestreitbare Verantwortung für eine eindeutig verkehrsgefährdende Ursache auszumalen.


Deshalb ein Appell an alle, die etwas im Verkehrsraum verändern: seid vorsichtig und denkt an die Folgen! Ein unbeabsichtigt verursachter Personenschaden ist nicht wieder gutzumachen.


Gute Fahrt allerseits!


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Re: Demontage von Verkehrsschildern als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Beitragvon Schuby » Fr 19. Jan 2018, 22:05

Verstehe ich grade was falsches, oder ist der Probefahrer zu "schlau", ein Fahrzeug in seiner Breite einzuschätzen?
Die weisse durchgezogene Linie hat eine Breite von Pi mal Daumen 20cm, noch etwas weiter entfernt liegt die Stahlplatte. Kurz dahinter die erste Warnbake. Warum fährt man so nah da dran??? Oder will der Probefahrer damit von seiner Unzulänglichkeit ablenken, ein Fahrzeug sicher durch eine Kurve zu fahren, um den Schaden, den er selbst herbeigeführt hat, von dritten bezahlen zu lassen? Und dann noch beifallheischend die Presse einschalten.
Kann ich nur mitm Kopp schütteln!
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Demontage von Verkehrsschildern als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Beitragvon Schuby » Fr 19. Jan 2018, 22:19

Mir fällt grade noch was ein:
Diese Woche hatte ich eine Begleitung auf eine Baustelle, schmaler Feldweg, rechts und links Felder. Beim Wenden bin ich ins Feld gerutscht und hab mich festgefahren. Mein Kollege hat mich wieder rausgezogen, es ging nichts kaputt.
Kann ich jetzt den Landwirt auf Herausgabe von 100€ netto verklagen, weil mir eine halbe Stunde Schlaf für den nächsten Transport fehlte?
Oder wars doch meine eigene Dussligkeit, dort zu wenden?
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Demontage von Verkehrsschildern als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Beitragvon bonns » Sa 20. Jan 2018, 09:26

Ich sehe es absolut genauso wie Henry.

Das Foto zeigt eine Stahlplatte, die meiner Meinung nach gut einen Meter NEBEN der Fahrbahn liegt.
Dort hat kein PKW Fahrer etwas zu suchen.
Genau dort kann er die Felge, [b][i]während der Fahrt[/i][/b] nicht beschädigt haben, er hätte einen Abflug gemacht.

Ich gehe davon aus, der Fahrer hat die Felge irgendwo anders beschädigt.
Um für den Fehler nicht selbst verantwortlich gemacht zu werden, hat er Gottseidank die Stahlplatte in der Baustelleneinfahrt gesehen.

Im übrigen, ich für meinen Teil beseitige keine Verkehrsschilder mehr und stelle sie deshalb auch nicht wieder hin.
Das beseitigen von Schildern ist ein Eingriff in den Strassenverkehr, und uns laut Dispo ausdrücklich untersagt.

Ich habe einmal Warnbaken auf der Autobahn auf einer Länge von 3km verschoben.
Erstmal war ich davon kaputt bis zum umfallen, und zum zweiten habe ich am nächsten morgen vom Disponent einen Einlauf vom allerfeinsten bekommen.

Wenn Schilder entfernt werden müssen, macht das entweder ein vom Auftraggeber beauftragter Schilderdienst, der STP bleibt von meiner Seite aus stehen, oder der Fahrer macht das selbst.
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Re: Demontage von Verkehrsschildern als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Beitragvon Schuby » Sa 20. Jan 2018, 09:50

Es kommt schon mal vor, dass Baken, Schilder oder "Pinguine" im Weg stehen. Die stellen wir oder ich aber sofort wieder hin. Auch steht dann noch mein Auto so, dass es ein Hinderniss an entsprechender Stelle ist. Da ist die Gefährdung wohl eher mein Auto :dance:
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Demontage von Verkehrsschildern als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Beitragvon Zita » Sa 20. Jan 2018, 12:28

bonns hat geschrieben: ...

Wenn Schilder entfernt werden müssen, macht das entweder ein vom Auftraggeber beauftragter Schilderdienst, der STP bleibt von meiner Seite aus stehen, oder der Fahrer macht das selbst.

Damit ist man in jedem Fall auf der sicheren Seite.


Schuby hat geschrieben: ...
Die stellen wir oder ich aber sofort wieder hin.
...

Ganz wichtig!!


Schuby hat geschrieben: ...
Auch steht dann noch mein Auto so, dass es ein Hinderniss an entsprechender Stelle ist.
...

Damit ist ja alles abgesichert. Im Idealfall nimmt die Dashcam dann noch auf, daß alles wieder korrekt hingestellt wird. Oft kommt später noch ein anderer Transport, und dann beweis mal, daß der den Kram liegengelassen hat.


Ich weiß, daß es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt und daß für uns erstmal wichtig ist, den Transport an's Ziel zu bringen - aber heutzutage versucht auch jeder, für sich selbst so viel wie möglich herauszuschlagen (und der Rechtschutzversicherung sei Dank ist das mit keinem eigenen finanziellen Risiko verbunden). Einen (wie auch immer) entstandenen Schaden zu ersetzen, kann leicht die eigene Existenz gefährden. Außerdem läßt sich nicht jeder Schaden ersetzen. Kann ein Unfall auf ein Fahrmanöver zurückgeführt werden, das durch ein fehlendes Schild nötig wurde, hat man ziemlich schlechte Karten, wenn man das Schild vorher demontiert hat - aber auch, wenn man nur gesehen hat, daß es nicht wieder gesteckt wurde und nichts unternommen hat.

In dieser Beziehung kann man gar nicht vorsichtig genug sein!
... der werfe den ersten Stein!


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