Unfall mit Begleitfahrzeug - vor einer Brückenauflage "abgeschossen"

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Zita
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Unfall mit Begleitfahrzeug - vor einer Brückenauflage "abgeschossen"

Beitragvon Zita » Sa 11. Feb 2017, 19:46

Auf FB bin ich gerade über den Link zu einem Unfallbericht von gestern gestoßen und nutze den hier mal als Aufhänger:

Gegen 20.15 Uhr befuhr ein 48-jähriger Mann mit einem Sicherungsfahrzeug für Schwertransporte die A9 in Fahrtrichtung Nürnberg. Circa zwei Kilometer nach dem Autobahndreieck Holledau musste der Schwertransport aufgrund einer Fahrauflage die Geschwindigkeit zum Überqueren eines Brückenbauwerks reduzieren, was ein nachfolgender Lkw-Fahrer trotz aufgeklappter LED-Tafel nicht erkannte. Der 26-jährige Lkw-Fahrer prallte massiv gegen das Heck des Kleintransporters, wodurch dieser gegen die rechte Schutzplanke geschleudert wurde. Danach kippte das Begleitfahrzeug auf die Beifahrerseite und kam zwischen rechten Fahrstreifen und Standstreifen auf der Fahrbahn zum Liegen. Der Lkw-Fahrer konnte noch nach links ausweichen und kam dann ebenfalls auf der Fahrbahn zum Stehen.

Bei dem Aufprall zog sich der 48-jährige Fahrer des Begleitfahrzeugs schwere Kopfverletzungen zu und musste durch den Rettungsdienst in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Der 26-jährige Lkw-Fahrer sowie dessen Beifahrer blieben unverletzt. ...


Quelle:
Wochenblatt.de
http://mobil.wochenblatt.de/nachrichten ... 176,422657

Zum Glück haben alle Beteiligten den Unfall überlebt - aber das Begleitfahrzeug sieht auf den Bildern nicht mehr so gut aus.



Deshalb mein Appell an alle Kollegen: Augen in den Rückspiegel, zusätzlich Warnblinker an und Abstand zum Transport - dann besteht im Ernstfall die Chance, aus der Schußlinie zu kommen. Ein Minimum an Vorsicht sollte in unserem Job nie verloren gehen. Man muß sich darüber klar sein, daß jede Brückenauflage die Letzte sein kann, selbst wenn man alles richtig macht.


Und alle Kraftfahrer sollten wissen, daß wir nicht zu unserem Vergnügen langsam über die Autobahn krabbeln. Wenn das Begleitfahrzeug ein Zeichen schaltet, kann es sein, daß der Transport irgendetwas tut. Vielleicht wechselt er (ohne erkennbaren Grund) die Spur, vielleicht wird er langsamer. Jedenfalls kann es nicht schaden, aufmerksam zu sein.


Gute Fahrt allerseits!
... der werfe den ersten Stein!

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bonns
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Re: Unfall mit Begleitfahrzeug - vor einer Brückenauflage "abgeschossen"

Beitragvon bonns » Sa 11. Feb 2017, 23:11

Zita hat geschrieben: ..... zusätzlich Warnblinker an und Abstand zum Transport


In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben wir mit 3 Begleitern und 2 Beifahrern einen Transport in den Hunsrück begleitet.
Ich folgte dem ersten Schwertransport.
Teilweise betrug unsere Geschwindigkeit weniger als 20 km/h
In dem Fall setzte ich 101 und schaltete den Warnblinker ein.
Ob meine Kollegen 101 schalteten, kann ich nicht sagen.
Zumindest sah ich auf den 110 Kilometern nicht ein einziges mal, das jemand hinter mir den Warnblinker einschaltete.

Beide BF3 Fahrer gehören übrigens schon länger zu unserer Firma.
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Re: Unfall mit Begleitfahrzeug - vor einer Brückenauflage "abgeschossen"

Beitragvon Schuby » So 12. Feb 2017, 00:46

Und alle Kraftfahrer sollten wissen, daß wir nicht zu unserem Vergnügen langsam über die Autobahn krabbeln


Woher sollen die das wissen?
Es ist teilweise völlig egal, ob ich 276 oder 277 setze, es wird munter überholt, manchmal auch mit Drohgebärden, hupend, oder wie vor 2 Wochen auf der Elbebrücke A2:
Auflage mittlere Fahrspur für STP und BF3, 277 setzen, 60km/h. Die LKWs fuhren rechts und links vorbei ...
Da nutzt auch kein Warnblinker, den ich bei dieser Geschwindigkeit noch garnicht benutzen darf.

Rostock, raus aus dem Hafen, kommen zwei Brücken, linke Spur, 276 setzen, 10 km/h, links fahren.
Scheinbar bin ich immer der Einzige, der die Auflage des Warnblinkers kennt ...

Im Übrigen steht für jeden klar lesbar in der Genehmigung, ab wann der Warnblinker benutzt werden muss.

Bei einigen Begleitern wunderts mich wirklich, und die haben angeblich viele Jahre als Begleitfahrer auf dem Buckel, dass die überhaupt noch leben!
Sei es der Abstand zum STP, das Verhalten bei der Abfahrt von der Autobahn, oder eben der fehlende Warnblinker. Oder auch der fehlende Abstand als BF2 nach vorne.

Genau 2 mal habe ich Begleiter darauf hingewiesen, 2 mal habe ich mir eine Zurechtweisung anhören dürfen.

So böse das jetzt klingt: Ich weise niemanden mehr auf sein Fehlverhalten hin, es ist deren Leben. Und jeder, der sich selbst hinrichtet macht meinen Job etwas sicherer, denn es fehlt irgendwo ein weiterer Begleiter.
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Unfall mit Begleitfahrzeug - vor einer Brückenauflage "abgeschossen"

Beitragvon Zita » So 12. Feb 2017, 04:14

Schuby hat geschrieben: ...
Scheinbar bin ich immer der Einzige, der die Auflage des Warnblinkers kennt ...

Im Übrigen steht für jeden klar lesbar in der Genehmigung, ab wann der Warnblinker benutzt werden muss.
...



Ich muß zugeben, eine Auflage, den Warnblinker einzuschalten kenne ich auch nicht. Falls du das schon in einer Genehmigung gesehen hast, würde mich das wirklich interessieren!


Kann es sein, daß du diesen Textbaustein meinst, der zur Auflage der BF3 Begleitung gehört:

Zeichen 101 und die nach hinten wirkenden gelben Blinklichter sind stets einzuschalten: ...


Das ist nämlich keine Anweisung, den Warnblinker einzuschalten sondern die beiden gelben Blinker der Anlage (oberhalb des Zeichens).



Ihr solltet nicht allzu hart über Kollegen urteilen, die das nicht tun - es ist sogar die ausdrückliche Lehrmeinung bei den BSK-Lehrgängen, daß der Warnblinker nicht geschaltet werden müsse, das Achtungszeichen reiche aus. Allerdings sei der Warnblinker auch nicht verboten.


Wenn im Gespräch jemand die Meinung vertritt, der Warnblinker sei unnötig, empfehle ich immer einen Selbsttest:

fällt die Geschwindigkeit eines Transportes am Berg stark ab und man sichert nur mit dem Achtungszeichen ab, hat man (je dichter der Verkehr ist, desto eher) das Bild, daß ein LKW zu spät ausweichen will und die linke Spur neben ihm schon belegt ist. Er läuft also auf - mit dem Ergebnis, daß das Begleitfahrzeug nach hinten nicht mehr sichtbar ist. In der Folge laufen solange weitere LKW auf (und folgen dem Transport mit geringer Geschwindigkeit) bis die Verkehrsdichte nachläßt und das Überholen ermöglicht - oder die Steigung endet und sich die Geschwindigkeit des Transportes normalisiert. Dann ziehen die ersten LKW am nächsten Berg zügig vorbei - bis der erste nach dem gleichen Muster wieder aufläuft.

Ändert man die Situation so ab, daß man den Warnblinker schaltet, erkennen die folgenden Fahrer früher, daß der Transport sehr langsam ist und wechseln die Fahrspur früh genug. Das setzt sich fort, weil auch die folgenden Fahrzeuge das Begleitfahrzeug sehen können mit dem Ergebnis, daß der Verkehr fast immer problemlos am Transport vorbei fließt. Dadurch fällt natürlich auch ein unaufmerksamer Kraftfahrer sehr viel früher auf (weil er eben nicht die Spur wechselt) und der Begleiter hat Zeit, etwas zu tun - und wenn sein Abstand groß genug ist, hat er auch die Möglichkeit dazu.

Ein ganz einfacher Test für die Wirksamkeit des Warnblinkers, den jeder machen kann, wenn er einen Transport begleitet, der in der Steigung langsamer wird.


In einem gebe ich dir übrigens völlig recht, Henry: es steht uns nicht zu, Kollegen zu korrigieren oder zu belehren. Es macht sowieso jeder, was er/sie selbst für richtig hält - das tun wir doch auch, oder?

Und es ist auch wahrscheinlich jedem schonmal passiert, daß der Abstand auf einmal grenzwertig kurz war. Da möchte man nicht auch noch von Kollegen hören, daß man zu nah auffährt. Der einzige, der meiner Meinung nach etwas dazu sagen darf, ist der Fahrer des Transports. Der steht schließlich ohne Begleitfahrzeug da, wenn es getroffen wird und muß im schlimmsten Fall noch seine Kenntnisse in Sachen "erste Hilfe" beweisen.
... der werfe den ersten Stein!

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Re: Unfall mit Begleitfahrzeug - vor einer Brückenauflage "abgeschossen"

Beitragvon Schuby » Mo 13. Feb 2017, 09:57

Zeichen 101, die nach hinten wirkenden Blinklichter und Warnblinker bei Geschwindigkeiten unter 40 km/h.

Ich hab zur Zeit allerdings keine Genehmigung, aus der das hervorgeht, vorliegen.

Dazu kommt aber auch, dass die 40er Regelung erst im letzten Jahr kam und ich bei einer BF3-Begleitung die nach hinten wirkenden Blinklichter garnicht ausschalten kann. Es sei denn, ich schalte die WVZ ab und stelle auf BF2 um.

Ich spreche mich auch nicht davon frei, den Abstand zum STP auch schon mal drastisch zu reduzieren, sei es, weil ich doch mal unaufmerksam bin, weil ich auffahrende PKWs daran hindern will, zwischen mir und STP gnadenlos auf die Autobahn zu drücken oder LKWs hindere, rechts vorbeizufahren oder parallel mit mir auf der rechten Spur zu fahren. Letzteres dann aber meist mit Ansage zu meinem STP, um ihm zu sagen, was ich vorhabe. Das klappt natürlich nur mit STP-Fahrern, die auch der deutschen Sprache mächtig sind.
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Unfall mit Begleitfahrzeug - vor einer Brückenauflage "abgeschossen"

Beitragvon Schuby » Di 14. Feb 2017, 16:28

Gestern hatte ich eine aktuelle Genehmigung in den Fingern und hab gewühlt, aber nix gefunden.
Es steht nicht mehr drin, dass die Warnblinker unter 30 bzw. 40 km/h zu benutzen sind.
Ist mir nicht klar, warum diese Sicherheitsrelevante "Auflage", hauptsächlich für den Begleiter, rausgenommen wurde.
Dennoch werde ich die nach vorne und hinten abstrahlende, rythmisch blinkende Sicherheitseinrichtung weiterhin benutzen.
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Unfall mit Begleitfahrzeug - vor einer Brückenauflage "abgeschossen"

Beitragvon bonns » Fr 17. Feb 2017, 19:47

Ich habe das auch so gelernt und behalte es bei.
Es sind unsere Knochen, die wir riskieren.
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