Ein ganz normaler Transport

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bonns
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Ein ganz normaler Transport

Beitragvon bonns » Mi 24. Feb 2016, 19:49

bonns

Moin,

in der vergangenen Woche habe ich einen Transport von Görlitz nach Kaifenheim begleitet
Der Transporter war mit einem 50m langen Stahl - Turmteil für eine Windkraftanlage beladen.
Gesamtlänge etwa 55 Meter, Gesamtgewicht rund 100 Tonnen.
Es handelte sich um eine Rumänische Spedition und einen Fahrer, der fast kein Deutsch sprach.

Unsere vorgeschriebene Fahrstrecke sah so aus: Görlitz A4, Chemnitz A72 / A9, Nürnberg A6, Crailsheim A7, Würzburg A3, Frankfurt A5, Hockenheim A61, Koblenz A48 bis Kaifenheim, also rund 1000 Kilometer.

Die erste 9er Pause machten wir auf der A6 Raststätte Kammersteiner Land.

Ich wollte dann bis zum Autohof zum tanken zurück fahren, und nutze fürs wechseln zur anderen Autobahnseite in der Regel den vorhandenen Wirtschaftsweg.
Klar,ist nicht zulässig, ebenso dürfen auch wir Raststätten nicht in falscher Richtung befahren. ich versuche es trotzdem.

Direkt an der engsten Stelle steht nun die Polizei und kontrolliert einen PKW
Ich halte also freiwillig am Polizeiwagen an, und fragte die beiden Polizeibeamten nach dem Wirtschaftsweg.
Antwort: Der ist vor der Tankstelle, aber verschlossen. Ebenso die Zufahrt auf der anderen Seite. Wenn sie aber einen Moment warten, bringen wir sie rüber.
Besser konnte es nicht laufen.
Also tanken gefahren, und zur Raststätte zurück zum schlafen.

Um 19 Uhr ging es weiter.
Nach 4 Stunden haben wir eine Stunde Pause auf der Übergabespur in der Abfahrt Stockstadt gemacht.
Mit einem neben der Übergabespur stehender LKW Fahrer habe ich mich recht gut unterhalten.
Er fragte mich unter anderem, weshalb wir Bergab so schnell fahren, das andere LKWs nicht überholen können, und der Schwertransport dürfte doch nur 80 km/h fahren......
Auf meine Frage hin, wie schnell er fahren dürfte konnte er mir keine zufriedenstellende Antwort geben.

Irgendwann brauchte "mein Fahrer" dann 3 Fahrspuren, incl. Standspur, worauf ich ihn kurz vor Alzey auf einen Parkplatz für die zweite Pause lotste.
Pause bis 19 Uhr.
Die Polizei wollte uns in Kaifenheim um 23 Uhr zur Baustelle ziehen.
Kurz vor der Abfahrt ist die Raststätte Eltztal.
Ich dachte jedoch, diese Raststätte kommt erst nach Kaifenheim.
Genau da wollte ich mit ihm hin.

Da gibt es eine App Namens "Truck Parking Europe"
Diese App sagte mir, das sich die Raststätte vor der Abfahrt befindet.
Die App gehört jetzt bei meinen Tour Plänen zur Standardausrüstung.
Hätte ich das vorher gewusst, wären wir schon früher dorthin gefahren.

Also sind wir um 19 Uhr gestartet.

Bei Gau Bickelheim, nach einer Stunde Fahrzeit war dann erstmal Schluß.
Schwerlastkontrolle!
Die Kontrolle dauerte fast 2 Stunden.
Trotzt 3 maligen Auslesen des Tachos vermessen des Fahrzeugs incl. Achsabstände, usw. fanden die Beamten nichts.
Oder doch, sie wollten den Transport wegen eines fehlenden 80 km/h Schildes am Auflieger stilllegen.
Ich habe mich ja bis dahin ja zurück gehalten.
Ich sagte dem Beamten, wenn sie uns deswegen stilllegen, steht das morgen im Internet und übermorgen in der Zeitung.
Er erwiderte, das Schild ist Bestandteil der 70er Genehmigung, und da es fehlt, ist die Genehmigung ungültig.

"Mein Fahrer" der ja nicht Deutsch spricht, geht vor, und holt ein 80er Schild aus seiner Mappe, klebt es an, und fragt den Beamten, jetzt gut, weiterfahren?

Abfahrt Kaifenheim, der Schilderdienst wartet bereits auf uns.
Wir sind dann ohne Polizei zu Windpark gefahren.
Wobei, in Kaifenheim mussten wir in der Ortsmitte rechts abbiegen.
Wegen der engen Ortsdurchfahrt musste der Zug erstmal rückwärts umgedreht werden.
Dazu war ein leeres Grundstück mit Stahlplatten ausgelegt.
Also habe ich mit Hilfe eines Funkgerätes und einer Fernsteuerung versucht, den Zug umzudrehen.
Jetzt Kam wieder das Sprach Problem zum tragen.
Vorwärts und Rückwärts verstand der Fahrer in absolut keiner Variation, auch nicht in Englisch.
Die Folge war ein zerschnittener Reifen, den er dann aber hoch gehoben hat.
Das ganze unter den Augen dutzender Zuschauer.

Die restlichen 2 Kilometer verliefen unspektakulär.

Ich habe mich dann bei Sternen klarem Himmel auf die Raststätte Eltztal gestellt und bin schlafen gegangen.
Um 8 Uhr stehe ich auf, und alles um mich rum war weiss.

Ich durfte dann mit meinem in Alzey gewaschenen Auto rund 100 Kilometer durch den Salzdreck nach Hause fahren.

Bilder folgen, wenn ich zu Hause bin.
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Minto
Beiträge: 25
Registriert: Di 23. Feb 2016, 20:45
Wohnort: Niederrhein

Re: Ein ganz normaler Transport

Beitragvon Minto » Mi 24. Feb 2016, 20:08

Uwe,
danke für Deinen Bericht-
Hat Spaß gemacht ihn zu lesen.

Ist schon spannend, was so alles auf einer Tour passiert.
Ja gerne würde ich auch Fotos dazu sehen.

Und weiter so- lese sehr gerne Tourberichte. Smilie mit Daumen hoch
Viele Grüße
€v@

Askit
Beiträge: 4
Registriert: Di 23. Feb 2016, 20:37

Re: Ein ganz normaler Transport

Beitragvon Askit » Mi 24. Feb 2016, 21:26

Ist schön zu lesen! Bin ich froh, daß Du keine Langeweile hast. :-))
Und jetzt noch die Bilders, Klasse!

Gerd

Joker
Beiträge: 1
Registriert: Do 25. Feb 2016, 21:19

Re: Ein ganz normaler Transport

Beitragvon Joker » Do 25. Feb 2016, 22:02

Interessant geschrieben. Mehr davon. :)
Ohne Laster gibts von allem zu wenig. :D


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