WDR: Mit dem Schwertransport auf Achse

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Zita
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WDR: Mit dem Schwertransport auf Achse

Beitragvon Zita » Do 17. Mär 2016, 10:42

Beim WDR hat jemand das Erscheinen des neuen Bundesverkehrswegeplanes genutzt, sich mit den verschlungenen Wegen von Schwertransporten zu befassen - das Siegerland ist mit seinen vielen Maschinenfabriken vom Brückensterben arg gebeutelt. Dabei ist nicht nur ein Bericht über geplante Projekte sondern nebenbei auch ein Tourbericht herausgekommen. Christina Günther hat einen anschaulichen Bericht über einen Transport der Fa. Kahl von Erndtebrück in die Niederlande geschrieben.


22 Uhr in der Nacht, der Startschuss ist gefallen: Ab jetzt gehört die B 62 den Schwerlasttransportern, die sich ganz langsam die Serpentinen entlang schlängeln. Mit dabei ist Dirk Simmrow. Seit 14 Jahren fährt er Schwertransporter. Die B 62 kennt er in- und auswendig. Heute Nacht fährt er für die Erndtebrücker Eisenwerke ein 35 Meter langes Rohr, das in die Niederlande soll.

"Die erste Hürde liegt direkt hinter dem Werkstor: Der Bahnübergang. Da muss ich gucken, dass ich mit dem Rohr um die enge Kurve komme", erklärt der 48-Jährige ruhig. Kein Problem: Der Fahrer im Begleitfahrzeug kann per Fernbedienung die hintere Achse nachjustieren, Sekunden später ist der Schwerlaster auf der B 62. Vorneweg fährt ein Polizeiauto. Die Polizisten machen den Weg frei.

Allerdings ist der Konvoi schon jetzt eineinhalb Stunden zu spät dran. Die Polizei musste erst noch einen anderen Schwerlasttransporter begleiten. Alltag für Dirk Simmrow. "An das Warten gewöhnt man sich, allerdings haben wir ein knappes Zeitfenster. Schwertransporter können nur von 22 bis 6 Uhr in Deutschland fahren."

Das nächste Hindernis: der Bahnübergang Altenteich. Hier geht es nicht nur über die Gleise, sondern noch steil bergauf und gleichzeitig um die Kurve. Dirk Simmrow verständigt sich immer wieder mit dem Begleitfahrzeug hinter ihm. Passt.

Dann kommt die Baustelle bei Lützel in Sicht. Wie war da der aktuelle Stand? Kurven mittendrin, da müssen auch mal Baken verschoben werden, doch heute Nacht klappt alles einwandfrei - nur Richtung Hilchenbach geht es nicht wie sonst. "Da ist eine Brücke marode. Jahrelang sind wir immer die Route über Hilchenbach gefahren, das ist die kürzeste Strecke zur Autobahn, aber das geht jetzt nicht mehr. Stattdessen geht es über Siegen", erklärt der Schwerlastfahrer. "Das heißt mindestens eine halbe Stunde länger fahren."

Dass die Straßen immer schlechter und die Routen für die Schwerlasttransporter weniger werden, kennt er nur zu gut. "Vor zehn Jahren bin ich noch über die A 45 gefahren, das war schnell. Jetzt müssen wir über die A4 und die A3, aber auch da wird es immer schwieriger. Und je mehr Transporter auf diesen Strecken fahren, desto schlechter geht es den Straßen."

Gerade manövriert er das 35 Meter lange Rohr um eine Verkehrsinsel bei Netphen - auf der falschen Straßenseite. Die rechte Spur geht nicht, die ist zu kurvig. Manchmal machen die kleinen Hindernisse Probleme. "Ich bekomme das immer häufiger mit, dass die Firmen überlegen, ob sie ihre Produktionen verlegen - direkt zu den Häfen, damit der Transport einfacher wird. Ist ja ein riesiger Aufwand: Genehmigungen, immer neue Strecken, Probleme durch Nachtbaustellen und gesperrte Routen."


Quelle:
Mit dem Schwertransport auf Achse von Christina Günther
http://www1.wdr.de/nachrichten/westfale ... n-100.html
... der werfe den ersten Stein!

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