Reden hilft!

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Schuby
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Reden hilft!

Beitragvon Schuby » So 6. Mär 2016, 00:30

Ich berichte mal aus nicht allzuferner Vergangenheit:

Selbstsicher aber nicht zu selbstsicher eurem Fahrer gegenübertreten.
Sagt ihm, dass ihr neu dabei seid, noch keine Erfahrung habt.
Alle haben mal neu mit irgendetwas angefangen, auch euer Schwertransportfahrer.
Verpackt das so, dass ihr ihn an seine ersten Transporte erinnert.
Fragt euren Fahrer, was ihr in welchen Situationen machen sollt, oder welche Zeichen ihr setzen sollt, wann in etwa z.B. vor einer Baustelle "zugemacht" werden soll.
Habt ihr frischen Kaffee dabei: Einfach eine Tasse anbieten, macht das Reden leichter, die meisten Fahrer freuen sich über ein Schälchen heissen Kaffee.
Traut euch auch zu sagen, dass ihr das und das noch nicht oder noch nie gemacht habt, oder keine Erfahrung damit habt. Das ist allemal besser, als zu behaupten, alles schon dagewesen. Macht keinen Sinn, wenn ein 60 Meter langes Gespann in der Leitplanke hängt, weil ihr großmäulig behauptet habt, dass Nachlenken überhaupt kein Problem ist. Dieser Fahrer will euch nie wieder sehen, der wird euch auch nichts unterschreiben, schlimmstenfalls ist deine Firma diese Spedition für immer los ...

Schwertransportfahrer sind bestimmt nicht glücklich, einen "frischen" Begleitfahrer zu bekommen. Wenn ihr ihn aber auf eure Unerfahrenheit hinweist, kann er sich darauf einstellen und wird euch in 99% helfen, die ersten Touren zu meistern.
Am CB-Funkmikrofon erst die Taste drücken, dann reden!!!

Seid überpünktlich (1-2 Stunden früher) bei eurem Transport, es kann vorkommen, dass der Transport schon früher starten will.
Sind die Gardinen im LKW noch zu, lasst den Fahrer in Ruhe. Positioniert euer BF3-Fahrzeug so, dass euch der Fahrer sieht, wenn er seine Gardinen aufzieht, dann müsst ihr nicht in Habachtstellung lauern, wann es denn losgeht. Versucht vor eurer Begleitung die Zeit bis zur Abfahrt zu nutzen: Zu eurer eigenen Entspannung!

Sagt eurem Fahrer z.B. wenn ihr das Heck oder die Mitte des Transports nicht richtig einsehen könnt, sagt Stopp über Funk, nennt ihm den Grund, steigt mit dem Handfunkgerät aus und seht nach, wo es klemmt oder klemmen könnte. STP-Fahrer hassen es, wenn der Begleiter stur hinter seinem Lenkrad sitzen bleibt. Das setzt natürlich voraus, dass ihr zu Beginn eurer Tour die Handfunke auch auf den entsprechenden Kanal gestellt habt. Auch solche Verzögerungen verärgern die Fahrer nur unnötig ...
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Reden hilft!

Beitragvon Lenkraddreher » Di 8. Mär 2016, 12:37

Henry hast komplett recht . Wie du weißt , kenn ich beide Seiten . Klar ist der Fahrer bei größeren Sachen nich begeistert , nen "Frischling" dabei zu haben . Aber wie du es schon geschrieben hast , kann und muß sich der Fahrer darauf einstellen und sollte Hilfestellung unterwegs geben , worauf zu achten ist . Allerdings gibt es auch arrogante Fahrer , die den Begleiter dann noch nieder machen . Ich persönlich habe die Erfahrung machen müssen , daß die Begleiter , die im Vorfeld mitteilen solche Dimensionen noch nich begleitet zu haben oder noch nich mit der Technik unterwegs waren z.B. Nachläufer Interesse haben . Da läuft man mal mit dem Begleiter ne Runde um die Technik . Grad Nachläufer Funktionsweise , Fahrverhalten , Position und Bedeutung Lenkanschläge . Nach den ersten paar holprigen Kurven passt es dann schon einigermaßen .

Rückwärts mit Nachläufer ist ne ganz andere Geschichte .

Aber ich persönlich finde es schon arg , wenn Begleitunternehmen einen Begleiter schon in der 1. Woche mit 55m Flügel los schicken wollen . Da hat er/sie noch genug mit sich selber zu tun .

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Zita
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Re: Reden hilft!

Beitragvon Zita » So 13. Mär 2016, 17:22

Reden hilft auf jeden Fall ... nicht nur am Anfang der Karriere!

Ob man aber jeden Fahrer mit Kaffee traktieren muß, nur weil man neu in dem Job ist, lasse ich mal dahingestellt. Es gibt Kollegen, die auf die Förderung beruflicher Beziehungen durch Kaffee schwören. Im Alltag muß jeder seine eigene Handschrift finden. Als Neuling kann man sowieso nicht viel mehr tun als seine Umwelt davon in Kenntnis zu setzen, welche Erfahrungen man zu bieten hat - und das Beste hoffen.


Jede Firma hat ihre eigene Philosophie, was die Einarbeitung neuer Kollegen angeht. Meist steht eine Tour auf dem Beifahrersitz ganz am Anfang. Zum Reinschnuppern und normalerweise vor der Entscheidung, auf diese Weise die Brötchen zu verdienen.

Danach ist es möglich, zuerst ein paar Wochen ein BF2 zu fahren. Wenn die Firma passende Fahrzeuge hat, ist das eine gute Art, einzusteigen. Man gerät zwangsläufig an übersichtliche Transporte und muß noch nicht viel beachten. Da es beim BF2 keine Voraussetzungen gibt, ist das eine gute Probephase, aber leider setzen die meisten Firmen einen BF3-Schein voraus.

Es gibt sich hoffentlich im Zusammenhang mit dem BF3-Schein niemand der Illusion hin, dort würde Wissen vermittelt, das in der Praxis weiterhelfen würde. Dort werden theoretische Grundlagen vermittelt und abgefragt und (oder: vor allem!) sichergestellt, daß ausreichende Sprachkenntnisse vorhanden sind. Mehr nicht. Alles Andere ist Sache des Arbeitgebers. Der ist zu einer angemessenen Einarbeitung verpflichtet.

Die Einarbeitung kann so aussehen, daß zunächst Touren mit mehreren Begleitfahrzeug ausgewählt werden und es außer der CB-Verbindung für alle Beteiligten zusätzlich eine sozusagen "private" Verbindung zwischen dem Neuling und einem erfahrenen Kollegen gibt. Eine andere Möglichkeit ist es, problemlose Touren mit einer befreundeten Spedition einzuplanen und den Fahrer zu bitten, dem Neuling alles Wissenswerte zu vermitteln. (Das funktioniert in beide Richtungen: auch Schwerlast-Fahrer fangen mal an und können dann einen erfahrenen Begleiter brauchen.) Am Einfachsten ist die Möglichkeit, den Neuling zunächst für problemlose Touren einzuplanen. In aller Regel nehmen die Dinge dann ihren geordneten Lauf. Man muß sich sowieso von der Vorstellung verabschieden, irgendwann auf alles vorbereitet zu sein. Auch der problemloseste Transport kann sich innerhalb kürzester Zeit in etwas verwandeln, das man niemals erleben wollte. "Einarbeitung" ist also immer relativ: man ist niemals auf jede Eventualitäten vorbereitet!

Deshalb ist mein persönlicher Favorit bei den verschiedenen Möglichkeiten der Einarbeitung der "Telefonjoker": man tut gut daran, sich möglichst früh eine Vertrauensperson (oder mehrere) zu suchen, die bereit ist, jederzeit telefonisch erreichbar zu sein. Egal ob aus der eigenen Firma (das ist natürlich ideal) oder aus einer anderen - egal ob Begleiter oder Schwerlastfahrer. Es muß nur jemand sein, dem man nicht beweisen muß, wie toll man ist sondern dem man auch simple Fragen stellen kann und dem man notfalls auch mal lästig sein darf. Reden hilft!


Davon abgesehen muß man sich vor Augen halten, daß Transporte ab einer bestimmten Größenordnung immer Teamarbeit sind. Es zählt nicht die Einzelleistung - egal, wie brillant sie auch sein mag - es zählt, ob der Transport sein Ziel erreicht hat. Und vor allem, ob alle Beteiligten die Nacht (bzw. die Tour) unversehrt überstanden haben. Alles Andere ist zweitrangig.


Eine (vielleicht etwas überraschende) Einzelheit ist es noch wert, erwähnt zu werden: die Schwerlastbranche ist ziemlich übersichtlich und es gibt persönliche Verbindungen, die (nicht nur für den Neuling) unüberschaubar sind. Es ist also eine weise Entscheidung, sich mit Tratsch und Lästereien jeder Artzurückzuhalten. Ein klarer Fall von "trau schau wem"!

Gute Fahrt allerseits!

;)
... der werfe den ersten Stein!

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Re: Reden hilft!

Beitragvon Schuby » So 13. Mär 2016, 21:07

Zita hat geschrieben:Ob man aber jeden Fahrer mit Kaffee traktieren muß, nur weil man neu in dem Job ist, lasse ich mal dahingestellt. Es gibt Kollegen, die auf die Förderung beruflicher Beziehungen durch Kaffee schwören.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Kaffee ist kein Allheilmittel. Aber er hilft bei der anfänglichen Kontaktaufnahme. Es ist ja nicht so, dass ich sofort mit der Thermoskanne wedele.

Im Normalfall gehe ich zum Fahrer und stelle mich vor. Die ganz sturen sehen sich genötigt, ihr Fenster runterzulassen, um mit mir eventuelle Einzelheiten des Transports zu besprechen. Natürlich bei laufendem Motor, direkt an der Leitplanke, 5m neben der Fahrbahn und den vorbeibrüllenden Fahrzeugen. Hand ans Ohr und "WAS???" zurückrufen hilft meist, aber nicht immer. Diesen Jungs braucht man auch nach erfolglosen und halb verstandenen Erklärungen nichts anbieten!

Die meisten Fahrer, vor allem die, mit denen man schon öfter unterwegs war, steigen gerne aus, weil sie unter anderem meinen Kaffee kennen ;)

Mit Kaffee möchte ich auch keine Freundschaften knüpfen. Oft hilft er aber bei der Kommunikation während der einzulegenden Pause. Ausserdem kostet er nicht 5€ auf der Raststätte ...
Es gibt auch Fahrer, die trinken keine Röstbohnensuppe. Die sind dann aber meist vom reinen anbieten angetan, was wiederum der Kommunikation hilft.

Das sind meine persönlichen Erfahrungen.
Den größten Stinkstiefel bekommste auch nicht mit einem lustig gemeinten Spässchen aufgetaut. Der kann von mir aus in seinem Sitz und seinem hohen Ross verrecken. Nur weil ich Spassss bei meiner Arbeit habe, lasse ich mich von solchen Individuen nicht runterziehen.
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Reden hilft!

Beitragvon Lenkraddreher » Mo 14. Mär 2016, 06:44

Henry für mich ist es auch eine Frage der Höflichkeit , auszusteigen , um den geplanten Ablauf und Besonderheiten durchzusprechen . Zumal der Stern ziemlich aufdringlich in seiner Akustik ist

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Re: Reden hilft!

Beitragvon Schuby » Mo 14. Mär 2016, 11:05

Eigentlich alle SZM sind laut, vor allem, wenn du danebenstehst.

Die wenigsten Fahrer kommen zu mir. Aber ich verstehe mich auch als Dienstleister, das hat aber nichts mit meinem Kaffee zu tun.
Allerdings muss ich hier auch eine Lanze brechen: Die höflichsten und freundlichsten Fahrer sind die, die aus dem Osten Europas kommen. So meine bisherige Erfahrung.

Ich hoffe, wir können mal zusammen eine Tour fahren.
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Reden hilft!

Beitragvon Carsten BF3 » Di 31. Jan 2017, 20:41

Tag allerseits.
Ich bin noch Frischling, habe im April 2016 angefangen.
Meine erste Tour war 32 m Länge und der Fahrer war sehr hilfbereit wenn auch am Anfang ärgerlich über den "Neuling"
Meine Erfahrung ist: Seit offen und ehrlich zu dem Fahrer,sagt ihm ruhig das ihr neu seit,jeder hat Mal ganz klein angefangen.
Stellt die Fragen die ihr habt.
Kein Angeben oder Prahlereien. Es wurde hier schon angemerkt, damit kommt ihr nicht weit.
Die zweite Tour war dann der Schock,44 Meter die selbe Strecke inklu nachlenken. Der Fahrer war so sauer das er kein Wort mehr gesprochen hat mit mir. Was kann ich dafür das ich noch nie nachgelegt habe und erst neu in dem Job bin.?
Nächster guter Ratschlag,sagt es eurer Dispo oder eurem Chef/Chefin wenn sowas ist und das ihr noch nie nachgelegt habt. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und schämen müsst ihr euch auch nicht.....Es sei denn ihr habt den Mund zu voll genommen. Dann heißt es Charakter haben.
Noch heute sage ich je nach Art des Transportes das ich noch Recht neu bin in dem Job,gerade dann wenn es um das nachlenken geht.

Immer dran denken: Nur gestellte Fragen können beantwortet werden.
In diesem Sinne Gute Fahrt und Gutes gelingen.


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