Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Benutzeravatar
Zita
Beiträge: 367
Registriert: So 21. Feb 2016, 20:50
Wohnort: Hagen

Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Beitragvon Zita » Mi 23. Mär 2016, 14:29

Nach einer Presseinformation des niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport vom 19. Januar 2016 wurde ein Konzept entwickelt, um die Belastung der Polizei durch die Begleitung von Schwertransporten zu senken und Niedersachsen bestellt als erstes Bundesland Mitarbeiter privater Begleitfirmen zu Hilfspolizisten.

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagt: „Ich bin froh, dass wir für die Begleitung der Großraum- und Schwerlasttransporte endlich eine pragmatische, wenn auch noch vorläufige Lösung, gefunden haben. Bei 50 Transporten pro Tag kann sich jeder ausrechnen, wie groß die Belastung der niedersächsischen Polizei durch die Transporte ist.Ich hoffe, dass aus dem Bundesverkehrsministerium jetzt schnell Signale für eine endgültige Lösung der Problematik im Sinne der Polizei gesendet werden."

Das Pilotprojekt ist zunächst als Übergangsregelung geplant, bis der Bund eine entsprechende Regelung gefunden hat, um die Begleitung der GST komplett auf Private zu übertragen bzw. übertragen zu können.




Zum Einsatz der privaten Begleiter sagt die Pressemitteilung:

Während der zunächst zweijährigen Pilotphase kann eine begrenzte Anzahl geeigneter Personen durch die niedersächsische Polizei beschult und zu Hilfspolizeibeamtinnen und -beamten bestellt werden. Diese bestellten Personen sollen anschließend eigenverantwortlich die Begleitung übernehmen. Voraussetzung ist jedoch u. a. eine mindestens dreijährige berufliche Erfahrung in diesem einschlägigen Bereich. Das soll sicherstellen, dass die zukünftigen Begleiterinnen und Begleiter für die Ausbildung und anschließende Aufgabe qualifiziert sind.

Die Hilfspolizeibeamtinnen und -beamten sollen dabei ausnahmslos für die Begleitung bestellt werden und erhalten dementsprechend auch nur eingeschränkte Befugnisse, ausschließlich für den Bereich der Verkehrsregelung. Dennoch handelt es sich bei diesen Personen um Hilfskräfte der Polizei, deren Weisungen im Verkehr unbedingt Folge zu leisten sind. Die Hilfspolizeibeamtinnen und -beamten werden im Einsatz gelbe Jacken mit retroreflektierenden Streifen und Aufschrift „Hilfspolizei" auf dem Rücken tragen und eine Polizeikelle nutzen dürfen, außerdem bekommen sie entsprechende Ausweise mit Lichtbild. Die Fahrzeuge werden außerdem mit Magnettafeln „Hilfspolizei" gekennzeichnet sein.


Quelle:
Presseinformation: Entlastung für die Polizei bei der Begleitung von Großraum- und Schwertransporten: Pilotprojekt mit Hilfspolizeibeamtinnen und -beamten - http://www.mi.niedersachsen.de/portal/l ... _psmand=33

Hier berichtet die Verkehrsrundschau darüber:
Hilfspolizisten sollen in Niedersachsen Schwertransporte begleiten - http://www.verkehrsrundschau.de/hilfspo ... 44642.html


In der letzten Woche haben Hilfspolizisten ihre erste Begleitung durchgeführt:

Ein an der Polizeiakademie Niedersachsen speziell ausgebildeter Schwerlast-Experte begleitete in der Nacht zum Mittwoch zwei Lastwagen von Sulingen im Landkreis Diepholz zu einem Windpark an der Bundesstraße 61 – unter den wachsamen Augen der „richtigen“ Beamten. Und die waren, trotz der anfänglichen Nervosität des neuen Hilfspolizisten, durchaus zufrieden. ...


Quelle:
Pilotprojekt gestartet: Erster Schwertransport in Niedersachsen von privater Hilfspolizei begleitet - http://www.weserbergland-nachrichten.de ... -begleitet


Natürlich fand die erste Begleitung noch unter den kritischen Augen "echter" Polizeibeamter statt. Laut Pressemitteilung ist der Start reibungslos verlaufen:

Diepholz (ots) - Am Dienstagabend wurde der erste Schwertransport von der neu ausgebildeten Hilfspolizei begleitet. Der neue Hilfspolizist zeigte den Beamten des Polizeikommissariats Sulingen stolz seinen Dienstausweis und war augenscheinlich etwas nervös, da er den ersten Schwertransport als Hilfspolizist begleiten durfte.

Die zu begleitende Strecke war mit ca. 6 Kilometern zunächst nicht lang. Die Fahrt begann schließlich dann um 22:00 Uhr vom Gelände der Firma "Wortmann" in Sulingen und führte in Richtung des Windparks an der B61.

Die erste Fahrt verlief gut und wurde noch von den Polizeibeamten des Kommissariats Sulingen begleitet.

Die neuen Hilfspolizisten werden nach und nach ausgebildet und sind im Rahmen der Begleitung von Schwertransporten befugt, Autofahrern entsprechende Weisungen zu erteilen. Sie verfügen über entsprechend kenntliche Jacken und Anhaltekellen.

Schwertransporte sind aufgrund deren Breite und Länge stets gefährlich für den Straßenverkehr und müssen daher besonders abgesichert werden. Nun bekommt die Polizei dafür Unterstützung von den neuen Hilfspolizisten.
... der werfe den ersten Stein!

Benutzeravatar
Schuby
Administrator
Beiträge: 369
Registriert: So 21. Feb 2016, 09:29
Wohnort: Berlin

Re: Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Beitragvon Schuby » Mi 23. Mär 2016, 15:59

Zita hat geschrieben:
Voraussetzung ist jedoch u. a. eine mindestens dreijährige berufliche Erfahrung in diesem einschlägigen Bereich. Das soll sicherstellen, dass die zukünftigen Begleiterinnen und Begleiter für die Ausbildung und anschließende Aufgabe qualifiziert sind.


Naja, das sehe ich mit sehr gemischten Gefühlen. Manche Begleiter wissen selbst nach 10 Jahren noch nicht, wie ein Transport begleitet wird ...
Grundvorraussetzung sollte meines Erachtens der Führerschein C/CE und eine nachgewiesene Fahrpraxis von mindestens 3 Jahren sein PLUS drei Jahre nachgewiesene BF3-Erfahrung.

Und wenn ich an mir selber bemerke, wie viele Fehler ich manchmal mache.
Nö, BF4 mit wichtiger Kutte und noch wichtigeren Aufklebern am Töfftöff ...
Ich bestimmt nicht, solange es keinerlei bundeseinheitlichen und verbindlichen Rechtsgrundlagen dafür gibt.

Im Endeffekt muss ich sowieso die Blaulichter anrufen, sollte ein Transport von mir stillgelegt werden, weil mir wasweisich unterstellt wird.
Nur um mal vom GAU auszugehen.
Mal hier, mal da

Gruß Henry

Lenkraddreher
Beiträge: 6
Registriert: Fr 26. Feb 2016, 12:17

Re: Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Beitragvon Lenkraddreher » Mo 28. Mär 2016, 10:46

Zita nen Versuch dazu gabs auch schon in Brandenburg ( Vestas Lauchhammer zur Bahn ) .

hier existiert sogar ein Video , welches im Dezember bei der BF3-Schulung in Linstow gezeigt wurde .

Leider hat man mir das Video nich geben dürfen , da noch im Versuchsstadium :(


Es zeigt den kompletten Bereich der Fahrt aus verschiedenen Perspektiven . Der führende Lkw mit dem ganzen Geraffel hinter der Scheibe war ich :o

Benutzeravatar
Zita
Beiträge: 367
Registriert: So 21. Feb 2016, 20:50
Wohnort: Hagen

Re: Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Beitragvon Zita » Sa 23. Jul 2016, 14:49

Lenkraddreher hat geschrieben:Zita nen Versuch dazu gabs auch schon in Brandenburg ( Vestas Lauchhammer zur Bahn ) .
...


Stimmt, es gibt eine ganze Menge verschiedener Pilotprojekte in den verschiedenen Bundesländern.

Aber soweit ich weiß war das erste Projekt 2008 in Emden und Aurich bei Transporten der Fa. Enercon. Dieses und alle folgenden Projekte (auch anderer Bundesländer) mußte mit der Einschränkung zurechtkommen, daß es keine Möglichkeit für Privatpersonen gibt, rechtlich wirksam auf das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer einzuwirken.

Mit dem Einsatz von Hilfspolizisten geht Niedersachsen den anderen Bundesländern wieder voraus und schafft die Möglichkeit, zumindest problemlose Transporte durchzuführen, ohne dabei Polizisten völlig überflüssiger Weise einzubinden. Man geht (wahrscheinlich bis zum Beweis des Gegenteils) davon aus, daß die meisten Transporte keine Amtshandlungen brauchen, um sicher ans Ziel zu kommen.


Dazu hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius eine eindeutige Meinung:

Pistorius hierzu im Bundesrat: „Wem will man angesichts der ohnehin großen Belastung erklären, dass unbedingt die Polizei begleiten muss, wenn zum Beispiel Bauteile für Windkraftanlagen transportiert werden sollen? Zumal man auch bedenken muss, dass damit noch etliche weitere Hürden verbunden sind, etwa wenn bei länderübergreifenden Transporten mehrere Übergaben des Begleitpersonals stattfinden müssen, weil die Zuständigkeitsgebiete dies erfordern. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie hier wertvolle Ressourcen gebunden werden, die möglicherweise anderswo fehlen können. Und ich betone: Wir reden hier nicht über Einzelfälle, sondern über ein tagtägliches Phänomen. Allein im Jahr 2014 mussten bundesweit über 130.000 Großraum- und Schwerlasttransporte polizeilich begleitet werden. Das sind im Schnitt mehr als 350 Einsätze pro Tag! Wir sehen hier also sehr deutlich, dass die Polizei an dieser Stelle ständig und intensiv gefordert ist.“

Quelle:
https://www.fuer-niedersachsen-in-berli ... entlasten/


Um eine praxistaugliche Möglichkeit zu schaffen, die Polizei bundesweit von einigen Begleitungen zu befreien, wurde mit Erfolg eine Gesetzesänderung eingebracht, die den Weg für weitere (bundeseinheitliche) Lösungen frei macht:


Der Bundesrat hat einen von der Bundesregierung vorgelegten – ansonsten ziemlich banalen – „Entwurf eines Sechsten Gesetzes zur Änderung der Straßenverkehrsgesetzes und anderer Gesetze“ genutzt, einen Vorschlag zur Ergänzung des Straßenverkehrsgesetzes vorzulegen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur soll ermächtigt werden, eine Verordnung zu erlassen, mit der bundesweit gleichartige Rahmenbestimmungen geschaffen werden, nach denen besonders verpflichtete Personen für die Begleitung von Großraum- und Schwertransporten eingesetzt werden können.

Das Land Niedersachsen hat in diesem Sinne bereits erste Erfahrungen mit einem Pilotprojekt zur Entlastung der Polizei gemacht. Minister Pistorius: „Wir haben als erstes Bundesland Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen privater Begleitfirmen zu sogenannten Hilfspolizeibeamtinnen und Hilfspolizeibeamten ausgebildet, zu dem Zweck, Großraum- und Schwerlasttransporte zu begleiten. Die niedersächsische Polizei hat dazu geeignete Personen aus den jeweiligen Firmen beschult, so dass diese nun eigenverantwortlich und fachlich kompetent die Begleitung durchführen können.“ Und weiter: „Dies war ein wichtiger Schritt, um das Personal der Polizei verstärkt dorthin zu bringen, wo es angesichts der derzeitigen Herausforderungen dringend benötigt wird. … Was wir aber auf lange Sicht brauchen, ist eine bundeseinheitliche Regelung. Und deshalb freue ich mich sehr, dass wir mit diesem Gesetz eine weitere Hürde überwinden, um die Polizei in ganz Deutschland noch stärker zu entlasten.“

Quelle:
https://www.fuer-niedersachsen-in-berli ... entlasten/



Ich denke, daß dies der richtige Weg ist, die steigende Zahl unproblematischer Transporte in den Griff zu bekommen. Oder brauchen wir wirklich für jeden Meter uniformierte Unterstützung? Oder in jeder Situation Regelpläne, die es uns erlauben, einen PKW am abbiegen zu hindern? Mir persönlich reicht die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten Unterstützung zu bekommen, völlig aus.

Jedenfalls werden zur Zeit für die Situation der Transportbegleitung neue Möglichkeiten geschaffen, aus denen für einen konkreten Transport die jeweils passende ausgewählt werden kann. Wie diese Möglichkeiten in der Praxis genutzt werden, wird sich zeigen.
... der werfe den ersten Stein!

Benutzeravatar
Zita
Beiträge: 367
Registriert: So 21. Feb 2016, 20:50
Wohnort: Hagen

Re: Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Beitragvon Zita » So 7. Aug 2016, 13:21

Hier reiche ich nochmal einen (etwas älteren) Zeitungsartikel aus den Grafschafter Nachrichten (Osnabrück) nach, der die Begleitung durch Hilfspolizisten beschreibt. Es wird auch erwähnt, daß dieses Projekt nur in Niedersachsen und nur befristet läuft:


Bei dem Hilfspolizisten-Projekt sind zwischen Teutoburger Wald und den ostfriesischen Inseln 18 ausgebildete Hilfspolizeibeamte im Einsatz.Nach Angaben der Polizeidirektion Osnabrück übernahmen sie seitdem bei etwa der Hälfte aller Schwertransporte die Begleitung.

Polizeipräsident Bernhard Witthaut erklärte zum Start: „Das Projekt ist sehr gut angelaufen. Es zeigt sich bereits jetzt, dass wir durch den Einsatz der Hilfspolizeibeamten deutlich entlastet werden. Wir haben dadurch mehr freie Ressourcen für unsere Kernaufgaben.“

Die Hilfspolizisten dürfen eigenständig bestimmte Schwertransporte ohne die Polizei auf den Straßen Niedersachsens begleiten und dazu auch den Verkehr regeln. Der äußere Eindruck eines Hilfspolizeibeamten ähnele dem eines „echten“, heißt es. Die Mitarbeiter sind mit einer gelben Schutzjacke mit der Aufschrift „Hilfspolizei“ und einem beleuchteten Anhaltestab ausgestattet. „Den Anweisungen der Hilfspolizeibeamten ist gleichermaßen Folge zu leisten wie den Anweisungen eines Polizeibeamten“, betont Marco Ellermann von der Polizeidirektion. Hilfspolizeibeamte dürften aber beispielsweise nicht die Identität eines Verkehrsteilnehmers feststellen oder sogar unmittelbaren Zwang anwenden.

In der Polizeidirektion Osnabrück, zu der auch die Grafschaft Bentheim gehört, wurden im vergangenen Jahr insgesamt 3841 Transporte von der Polizei begleitet – dies entspricht im Schnitt rund elf Einsätzen pro Tag. Insgesamt gut 60 Hilfspolizeibeamte werden landesweit durch die Polizeiakademie Niedersachsen ausgebildet. Insgesamt nehmen 13 Firmen an dem zweijährigen Projekt teil.

Wegen der Belastung der Polizei bei der Begleitung von Großraum- und Schwertransporten wurde das Projekt 2015 durch das niedersächsische Innenministerium ins Leben gerufen. Es ist als Übergangsregelung geplant, bis der Bund die Begleitung von Schwertransporten vollständig durch private Dienstleister zulässt.


Quelle:
http://mobil.gn-online.de/Nachrichten/H ... 50002.html


Der fast gleiche Text ist auch bei Focus online
http://m.focus.de/regional/osnabrueck/p ... 76597.html

und bei ES-Media zu finden:
http://esmedia-spelle.de/schwertranspor ... e-polizei/


Wer zitiert da wohl wen?
... der werfe den ersten Stein!

Benutzeravatar
Zita
Beiträge: 367
Registriert: So 21. Feb 2016, 20:50
Wohnort: Hagen

Re: Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Beitragvon Zita » Do 18. Aug 2016, 15:12

Ein Blick zurück: das Pilotprojekt im Emsland


Hier ein Bericht aus dem Jahr 2013, der die Entwicklung des Pilotprojektes im Emsland beschreibt. Er macht deutlich, wo das Hauptproblem der polizeiersetzenden Transportbegleitung lag/liegt: private Begleiter dürfen nicht verkehrslenkend tätig werden, sie dürfen anderen Verkehrsteilnehmern keine Anweisungen erteilen. Um auch ohne Polizeieinsatz eine ordnungsgemäße Transportdurchführung sicherzustellen, waren einige Umbauten nötig.


Franz-Josef Göcke von der Autobahnpolizei Lingen erklärt, wie Schwertransporte auch ohne seine Kollegen sicher ans Ziel kommen.

... Schwertransporte müssen stehen bleiben oder verspätet fahren, weil die Polizei durch andere Einsätze gebunden ist. Begleiten die Beamten dann einen Transport stundenlang, fehlt ihnen diese Zeit für die Kriminalitätsbekämpfung und Verkehrsüberwachung. Daher suchen die Behörden nach Möglichkeiten, die Transporte auch ohne Eskorte durchzuführen. Zum Beispiel im Emsland:

Dort hat ein Hersteller von Windenergieanlagen ein Rotorblattwerk errichtet. Die Blätter haben alle dieselben Maße. ...

Nach der Entscheidung des Herstellers, welche Komponenten genau im Werk in Haren/Ems hergestellt werden, haben sich auf Initiative der zuständigen Polizeiinspektion alle beteiligten Behörden, die Herstellerfirma und ein erfahrenes Transportunternehmen zusammengesetzt. Ziel: Die möglichen Probleme bei einem Straßentransport erörtern.

Für den Weg vom Werk zur Autobahn kam nur eine bestimmte Strecke in Frage.Um exakte Daten für ihren möglichen Aus- oder Umbau zu erhalten, wurde eine Testfahrt mit einem 50 Meter langen Schwerlastsattelzug vereinbart. Bei dieser Testfahrt zeigte sich, dass die Strecke für einen Straßentransport so nicht geeignet war. Die Straße musste erweitert, eine Mittelinsel und ein Ampelmast entfernt werden. Ein Ingenieurbüro entwickelte eigene Schwerlastspuren neben den eigentlichen Fahrspuren. Die Kosten für Planung und Ausbau übernahm der Windanlagenhersteller.

Nun galt es, die Schwertransporte auch ohne Polizeibegleitung zu organisieren. In Abstimmung mit den beteiligten Behörden wurde ein detaillierter Auflagenkatalog erarbeitet, der den Ablauf des Transportes bis zur Autobahn beschreibt und vorgibt: Die Rotorblätter werden immer zu dritt im Konvoi transportiert. Die auf dem Weg liegende Ampelanlage kann per Schlüssel entsprechend geschaltet werden.
...

Sowohl an den Auf- und Abfahrten der Anschlussstelle Haren als auch im Schüttorfer Kreuz sind vollautomatische Verkehrsbeschilderungen geplant, die stufenweise per iPad geschaltet werden können. Deren Wartungskosten trägt der Windradhersteller. ...


Der komplette Text mit weiteren Einzelheiten:
http://www.eurotransport.de/news/schwer ... 99490.html


Diese Maßnahmen standen am Anfang des Weges, auf dem Niedersachsen noch heute mit dem Einsatz der Rechtsfigur des Hilfspolizisten Maßstäbe setzt.
... der werfe den ersten Stein!

Benutzeravatar
Zita
Beiträge: 367
Registriert: So 21. Feb 2016, 20:50
Wohnort: Hagen

Re: Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Beitragvon Zita » Mi 25. Jan 2017, 20:18

Inzwischen läuft das Pilotprojekt in Niedersachsen mit dem Einsatz beliehener Hilfspolizisten seit einem Jahr und die Erfahrungen scheinen durchweg positiv zu sein. Verschiedene Medien berichten über diese Transporte - wahrscheinlich auch, um andere Verkehrsteilnehmer auf diese besondere Form der Begleitung aufmerksam zu machen (und darüber zu informieren, daß diese Menschen Ihnen Anweisungen erteilen dürfen).


In einem kurzen Radiobeitrag des osradio zeigt sich die Polizeidirektion Osnabrück als sehr zufrieden. Es wird eine Entlastung von 70% angegeben:

http://www.osradio.de/hilfspolizisten-u ... ansporten/


Ein schriftlicher Bericht des NDR vom 28. November 2016 bestätigt die positive Zwischenbilanz:

...
Allein die Polizeidirektion Osnabrück hat 30 Hilfsbeamte von fünf privaten Transport-Unternehmen weitergebildet. Sie begleiten nun unter anderem Schwertransporte in Ostfriesland - zum Beispiel von den Enercon-Werken in Aurich zur Autobahn oder in den Emder Hafen. Dabei dürfen die Hilfspolizisten auch den Verkehr regeln. Insgesamt hätten sie seit März bereits fast 3.000 der mehr als 4.100 Transporte eskortiert, so die Polizei Osnabrück. Für die Beamten bedeute das eine Entlastung von mehr als 70 Prozent - oder 4.450 Arbeitsstunden.
...


Quelle:
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersac ... ei100.html


Auch das Innenministerium Hannover berichtet auf Arcor.de von einer positiven Zwischenbilanz:

...
Die Polizeiwachen berichteten von einer guten Zusammenarbeit mit den Privatfirmen, die die Hilfspolizisten einsetzen, sowie einer spürbaren Entlastung der Polizei, teilte das Innenministerium in Hannover am Montag mit.
...


Quelle:
http://www.arcor.de/content/aktuell/reg ... ntent.html


Aber der Praxistest geht weiter ...
... der werfe den ersten Stein!

Benutzeravatar
Zita
Beiträge: 367
Registriert: So 21. Feb 2016, 20:50
Wohnort: Hagen

Re: Niedersachsen: Vorreiter bei der Privatisierung der Polizeibegleitung

Beitragvon Zita » Sa 14. Okt 2017, 00:39

In der letzten Zeit ist es ruhig geworden um das zweijährige Pilotprojekt in Niedersachsen. Nach meinem persönlichen Eindruck arbeiten die Hilfspolizisten sicher und kompetent - aber ich habe auch immer wieder Gerüchte gehört, nach denen das Projekt nicht fortgesetzt werden soll.


Möglicherweise hängt es mit der morgigen Landtagswahl zusammen, daß in der letzten Woche gleich zwei Meldungen auf den Erfolg des Projektes hingewiesen haben: der FOCUS und Jeversches Wochenblatt. Beide berufen sich auf Minister Pistorius.

...
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat ein positives Zwischenfazit des „niedersächsischen Forschungsprojekts für Begleitung bei Großraum- und Schwertransporten“ gezogen. Demnach sieht der SPD-Politiker darin ein probates Mittel, Polizeibeamte durch eingesetzte Hilfskräfte zu entlasten
...
Wir brauchen die Polizei auf der Straße für ihre Kernaufgaben: Kriminalitätsbekämpfung und Verkehrsüberwachung“, wird Pistorius in einer Pressemitteilung zitiert, „die Begleitung übergroßer Transporte kann problemlos durch Hilfspolizeibeamte übernommen werden.“

In der Polizeiinspektion Leer/Emden sei bei dieser spezifischen Aufgabe eine monatliche Entlastung von 82 Prozent bewirkt worden, teilt das Innenminisiterium mit. Das Projekt läuft bis zum kommenden Jahr.

Quelle:
https://jeversches-wochenblatt.de/Nachr ... elnr/46965


Der Focus holt etwas weiter aus ...

...
Positive Zwischenbilanz des niedersächsischen Forschungsprojekts für Begleitung bei Großraum- und Schwertransporten durch Hilfspolizei
...
Mit einem bundesweit einmaligen Forschungsprojekt setzt Niedersachsen seit Anfang 2016 Hilfspolizeibeamtinnen und -beamte erfolgreich bei der gesetzlich erforderlichen Begleitung von Großraum- und Schwertransporten (GST) ein.
...
In der Projektzeit wurde die niedersächsische Polizei spürbar entlastet: Monatlich konnten durchschnittlich bis zu 66 Prozent der begleitungspflichtigen GST durch Hilfspolizeibeamtinnen und -beamte begleitet werden. In der Polizeiinspektion Leer/Emden beispielsweise, die mit der polizeilichen Begleitung von GST mit am stärksten belastet ist, konnten monatlich sogar bis zu 82 Prozent Entlastung erreicht werden.
...
Das dringend benötigte Personal der Polizei konnte wieder zurück „auf die Straße“ gebracht werden.
...



... und leitet aus dem erfolgreichen Einsatz der Hilfspolizisten in Niedersachsen eine Aufforderung an den Bund ab:

...
Minister Pistorius sieht den Bund in der Pflicht, hier nach niedersächsischem Vorbild zu handeln: „Unser Forschungsprojekt belegt, dass die Polizei in ganz Deutschland durch Beliehene vollständig von der Aufgabe der Begleitung der Großraum- und Schwertransporte entlastet werden kann. Auch wenn es hier offenbar zuletzt Fortschritte im Bundesverkehrsministerium gegeben hat, brauchen wir entsprechende Regelungen, insbesondere rechtlicher Natur. Hier muss die oder der neue Bundesverkehrsminister/-in schnell liefern!“
...

Quelle:
http://m.focus.de/regional/hannover/han ... 83125.html



Wir werden sehen, welchen Einfluß die Landtagswahl auf die Fortsetzung des Projektes hat. Ich drücke dem Einsatz der Hilfspolizisten und vor allem dem Ansatz, Transportbegleiter wenigstens mit einem Minimum theoretischen Fachwissens auszustatten und den Lernerfolg in einer Abschlußprüfung belegen zu lassen alle verfügbaren Daumen!

Gute Fahrt allerseits!


:auto-swerve:
... der werfe den ersten Stein!


Zurück zu „Neuerungen (BF3+, BF4)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast