Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

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Zita
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Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Zita » So 7. Aug 2016, 15:49

Die polizeiersetzende Begleitung ist im Moment ein vieldiskutiertes Thema. Um mitreden zu können, muß man erstmal echte Tatsachen von den Gerüchten trennen. Irgendwie weiß jeder irgendwas und hat irgendwas gesehen. Ich bin also auf die Jagd nach Fakten gegangen und habe versucht, das Ganze einigermaßen verständlich aufzudröseln (in den anderen Themen).

Zusammenfassend kann man sagen, daß in den letzten Jahren in verschiedenen politischen Verfahren die Ausstattung der Begleitfahrzeuge und Regelpläne entwickelt wurden. Daneben haben die meisten Bundesländer eigene Pilotprojekte ins Leben gerufen. Ein Knackpunkt war (ist?) der tatsächliche bundesweite Einsatz bzw. die Befugnisse der Begleiter. Anfang Juli wurde mit der Annahme eines Gesetzesentwurfes die Grundlage für eine bundeseinheitliche Regelung geschaffen. Das Verfahren läuft also noch.


Inzwischen hat sich aber auch fast jeder eine Meinung gebildet. Die neuen Begleitfahrzeuge sind überall zu sehen und die verschiedenen Pilotprojekte laufen. Und vielleicht kommen hier noch genug Leute zusammen, um eine interessante Diskussion zu starten.

Unterschiedliche Meinungen sind immer willkommen!!
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Zita
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Re: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Zita » Fr 12. Aug 2016, 09:16

Um darauf zu antworten, hole ich mal eine Meinungsäußerung aus dem Thema zur Informationsveranstaltung in Wartenberg hier rüber:


Schuby hat geschrieben:Wie schon geschrieben: Alles gut und schön ...

Warum ich für bundeseinheitliche Durchführungen von Transporten bin?
Man sehe sich die Genehmigungen mal etwas genauer an:
- In einer steht, dass ein Exemplar dem Begleitfahrer auszuhändigen ist und die WVZ bei, ich nenne es mal Nichtbenötigung, auszuschalten ist.
- In der nächsten steht absolut nichts über eine Aushändigung an den Begleiter, dafür ist ständig, wenn nichts anderes gefordert, Zeichen 101 zu setzen ist.
- Absolut gleiche Transporte (identische Fahrzeugkombination, identische Ladung, ergo alle Maße und Gewichte gleich), aber unterschiedliche Streckenführungen, auch bei Konvoifahrt.


WAS SOLL DIESER BLÖDSINN???

Am nächsten Beispiel versuche ich die Vereinheitlichung darzustellen, die nicht mal innerhalb eines Bundeslandes funktioniert:
Ein Transport mit 6,70m breite wird an der Verladestelle von Polizei und TüV "stundenlang" überprüft, es wird ein Protokoll angefertigt und dem STP-Fahrer ausgehändigt.
Laut genehmigter Strecke wird mit Polizeibegleitung zur nächsten BAB-Anschlussstelle gefahren. Für uns Begleitfahrer unser täglich Brot.
Man lässt uns auf die BAB, auf derselben stehen schon die Kollegen von der Autobahnpolizei, begleiten zur nächsten, etwas breiteren Stelle, stoppen den Transport.
Um eine Ladungssicherungskontrolle durchzuführen!
???
Danach gehts weiter, in den nächsten Landkreis (Verwaltungsbezirk), unsere Beamten sind nicht mehr zuständig, es kommen Kollegen aus dem angrenzenden "Hoheitsgebiet".
Diese führen wiederum eine LaSi-Kontrolle durch und stellen einen Mangel fest, der zu beheben ist, sonst fährt der Transport nicht weiter.
Bei den nächsten drei Übergaben ähnliches Verhalten der Beamten.
Zusätzlich werden ausführlich alle Papiere geprüft und jeweils ein Ausdruck aus dem Digitaltacho gefordert.
Frage: Was soll das???

200 km reine Fahrtstrecke, pünklich um 22:00 gings los, morgens um 5 waren wir am Ziel.
Es gab keinerlei besonderen Engstellen, keinen Stau. Auch innerorts war alles so breit, dass wir mit BAB-Geschwindigkeit hätten rollen können.

Mir kommts nicht auf die Zeit bis zum Ziel an, eher auf die verlorene Zeit, die wir unter anderem durch mangelnde Sachkenntniss der Beamten verloren haben.
Die Jungs von der Blaulichtfraktion sind über Funk, Telefon, Internet verbunden.
Ist es so schwer von Punkt A bis Punkt Z alle relevanten Daten zu übermitteln? Oder abzufragen?
Hallo A, hier ist B, irgendwelche Besonderheiten mit dem Transport?
Oder werden die Blaulichter nach Zeit bezahlt, die sie an und mit einem Transport verbringen?

Hier besteht absolut dringender Klärungsbedarf.
Und solange die von mir angesprochenen Punkte nicht bundeseinheitlich geregelt sind, brauchen wir uns nicht über BF4-Fahrzeuge zu unterhalten.

Der nächste Punkt wird sein, dass die Innenministerien der Länder irgendwann merken:
"Hoppla, uns fehlt Geld in der Kasse."
Antwort:
"Tja, wer wollte denn 100.000 Transporte pro Jahr an private Begleitunternehmen auslagern ..."
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Re: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Zita » Fr 12. Aug 2016, 10:05

Schuby hat geschrieben:Wie schon geschrieben: Alles gut und schön ...

Hier besteht absolut dringender Klärungsbedarf.
Und solange die von mir angesprochenen Punkte nicht bundeseinheitlich geregelt sind, brauchen wir uns nicht über BF4-Fahrzeuge zu unterhalten.
...


Ob unbestritten vorhandene Probleme bei der BF3-Begleitung mit den vorhandenen Mitteln gelöst werden müssen (weil man sich über neue Wege gar nicht erst unterhalten braucht) oder ob diese neuen Wege bestehende Probleme eher nebenbei miterledigen sei mal dahingestellt. (Ich halte es für wahrscheinlich, daß Wartezeiten an Landesgrenzen weitgehend wegfallen, wenn die Polizeibegleitung durch private Dienstleister übernommen wird, weil die gerade nicht an ein Bundesland gebunden sind sondern den Transport auf der gesamten Strecke begleiten können, aber das wird die Praxis zeigen.) Jedenfalls sieht die BSK das Problem genauso:

...
Alle Referentinnen und Referenten betonten, dass ein deutschlandweiter Flickenteppich von niemandem gewünscht sei. 
...

Quelle:
Schwertransportmagazin Nr. 69, Seite 61 - 63 (zum Thementag in Wartenberg)



Schuby hat geschrieben: ...
Der nächste Punkt wird sein, dass die Innenministerien der Länder irgendwann merken:
"Hoppla, uns fehlt Geld in der Kasse."
Antwort:
"Tja, wer wollte denn 100.000 Transporte pro Jahr an private Begleitunternehmen auslagern ..."


Ok, die Begleitung von Schwertransporten durch die Polizei spült etwas Geld in öffentliche Kassen. Aber da die Aufgaben der Polizei immer weiter zunehmen und es wohl unbestritten zu wenige Polizisten gibt (warum auch immer) scheint es mir wirtschaftlich sinnvoller, ausgebildete und erfahrene Beamte von überflüssigen Aufgaben zu entlasten als diese Aufgaben weiterhin für nicht kostendeckende Bezahlung erledigen zu lassen und neue Leute auszubilden, um auch die anspruchsvolleren Aufgaben erledigen zu können.

;)
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Re: Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Zita » Mi 25. Jan 2017, 21:27

Inzwischen gibt es Praxiserfahrungen mit der Privatisierung der Polizeibegleitung.

Offizielle Zwischenberichte lesen sich immer sehr positiv und (hmm) etwas weichgespült. Vielleicht funktioniert wirklich alles völlig problemlos, vielleicht will man nur die weitere Entwicklung nicht behindern.

Meine eigenen Erfahrungen mit dem Einsatz privater Begleiter an Stelle der Polizei sind auch positiv, beschränken sich aber darauf, daß ich die durchgehende BF3-Begleitung gefahren habe und weitere Begleitfahrzeuge streckenweise dazugekommen sind. Bisher habe ich nur erlebt, daß jeder da war, wo er sein sollte und wußte, was er zu tun hatte - dadurch liefen die Transporte reibungsloser und zeitgerechter, als es mit Polizeibegleitung oft der Fall ist.

Allerdings habe ich auch gerade Anfang diesen Jahres einige Polizeibegleitungen erlebt, die völlig überflüssig waren. Manchmal wäre ein BF2 vorneweg völlig ausreichend (oder sogar noch übertrieben) gewesen. Deshalb habe ich den ganz subjektiven Eindruck, daß sich nicht jede Genehmigungsbehörde so recht mit der angestrebten Entlastung der Polizei anfreunden kann.

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?
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Re: Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Carsten BF3 » Di 31. Jan 2017, 21:52

In Hamburg lief es perfekt in Nürnberg kam die Anlage mit dem drehen nicht nach...... Warum aber 2x Polizei und ein BF4 entzieht sich meinem wissen. Wird aber wohl unter Pilotprojekt gelaufen sein.


Meiner Meinung nach sollten erstmal die Genehmigungen bzw die Ausstellenden Behörden besser geschult werden,die Polizei (intern) Absprache besser laufen als ein BF4 ins leben zu rufen.
Weshalb sollen zwei identische Transporte zwei Wege nehmen um Berlin ? Der eine nachts und links um Berlin der andere am Tag und rechts um Berlin ?

Solange diese Sachen nicht ausgemerzt sind braucht es keine BF4 Fahrzeuge.

Wichtiger wären einheitliche Fahrzeuge die für jeden sofort erkennbar sind und in den Führerschein Unterricht mit einfließen. Gelb hat die Post und Post fahren wir nun wirklich nicht aus.
Allzeit gute Fahrt

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Re: Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Schuby » Di 31. Jan 2017, 23:27

Deine Erfahrung, Carsten, deckt sich mit meiner.
Wenn an der Übergabe ein BF4 steht, geht alles schnell und reibungslos.
Mit Polizeibegleitung, so mein Gefühl, ist man mehr oder weniger von der Willkür der Beamten abhängig. Entweder stundenlanges warten, oder Tiefenprüfung aller Papiere incl. Profiltiefenmessung.
Bei den meisten Blaulichtern läuft aber alles völlig problemlos, 95% der Mädels und Jungs der Exekutive wollen auch einfach nur zügig fertig werden, haben meist sogar einen netten Spruch auf Lager.
Mal hier, mal da

Gruß Henry

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Re: Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Zita » Fr 3. Feb 2017, 13:50

Carsten BF3 hat geschrieben: ...
Wichtiger wären einheitliche Fahrzeuge die für jeden sofort erkennbar sind und in den Führerschein Unterricht mit einfließen. Gelb hat die Post und Post fahren wir nun wirklich nicht aus.


Daß einheitliche Fahrzeuge Sinn machen, sieht die Politik ja auch so, deshalb die gelben BF4.

Postauto??
Das ist doch ein ganz anderes Gelb.

Mir gefällt die Farbe gut und ich habe die Erfahrung gemacht, daß sie einem bei BF2-Begleitungen die halbe Arbeit abnimmt: die Leute räumen die Straße fast von allein. Irgendwie scheint dieses Quitschgelb ... ähh, Signalgelb ... selbsterklärend zu sein.




Carsten BF3 hat geschrieben: ...
Meiner Meinung nach sollten erstmal ...

Solange diese Sachen nicht ausgemerzt sind braucht es keine BF4 Fahrzeuge.


Du meinst, es darf erst etwas Neues gemacht werden, wenn das Alte gut funktioniert?
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Re: Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Carsten BF3 » Sa 15. Apr 2017, 21:14

Es wird, meiner Meinung nach,wieder der 3 Schritt vor dem 2 gemacht. Also wenn schon neu dann bitte mit absolut Termin. Z.b. bis 31.06.2017 müssen alle !!! Begleitfahrzeuge in diesem Gelb sein und nicht nur die neuen.
Thema BF 4 : Positive und neutral bis negative Erfahrungen gemacht als BF 3 Fahrer.
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Re: Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Zita » Mo 29. Mai 2017, 23:12

Carsten BF3 hat geschrieben:... Also wenn schon neu dann bitte mit absolut Termin. Z.b. bis 31.06.2017 müssen alle !!! Begleitfahrzeuge in diesem Gelb sein und nicht nur die neuen.
...


So eine Regelung wird es nicht geben!

Alle Fahrzeuge, die schon auf der Straße sind, brauchen Bestandsschutz. Oder willst Du jedem Kleinunternehmer eine komplette Umrüstung auf's Auge drücken?

Falls überhaupt, wird sich so etwas im Laufe der Zeit ergeben. Bisher laufen doch auch die verschiedensten BF2 und BF3 einigermaßen erfolgreich nebeneinander her - glaubt ihr, es würde sich irgendwas verbessern, nur weil alle Fahrzeuge gleich aussehen? :think:


Und was die unterschiedlichen Genehmigungen gleicher Transporte bzw. unterschiedliche Auflagen in verschiedenen Bundesländern angeht: das ist der Preis der Freiheit.


Die Verkehrslage ist nunmal nicht überall gleich. Wenn man den einzelnen Genehmigungsbehörden die Wahl läßt, nach eigenem Ermessen eine Möglichkeit aus verschiedenen (vielleicht gleich sinnvollen) Varianten auszuwählen, muß man in Kauf nehmen, daß unterschiedliche Ergebnisse dabei heraus kommen. Vielleicht ist es im Einzelfall völlig egal, ob ein konkreter Transport rechts oder links um Berlin herumfährt oder auf der konkreten Strecke ist es egal, ob er nachts oder in der verkehrsarmen Zeit fährt - aber das kann man ja schlecht in eine Genehmigung schreiben, oder?

Irgendjemand wird eine Entscheidung treffen müssen. Und vielleicht entscheidet der Nächste anders. Das ist das Wesen eines Ermessensspielraumes. Manchmal gibt es eben die einzige richtige Entscheidung nicht - und manchmal werden falsche Entscheidungen getroffen. Aber das macht das ganze System nicht unbrauchbar.


Davon abgesehen ... manchem Sachbearbeiter würde sicher etwas Erfahrung in der Praxis nicht schaden. In Einzelfällen habe ich schon Sachbearbeiter nachts auf der Straße getroffen, aber das sind leider wohl Ausnahmen. :whistle:



:auto-swerve:
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Re: Diskussion: Meinungen und Erfahrungen zur polizeiersetzenden Transportbegleitung

Beitragvon Schuby » Di 30. Mai 2017, 15:22

Den Dozenten der Polizei auf der BF3-Schulung befragt, antwortete er folgendes auf meine Frage, warum komplett identische STP z.T. über 400km unterschiedlich lange Strecken fahren müssen:

Um die Verkehrslast auf Autobahnen, insbesondere Brücken, so gering wie möglich zu halten.

Macht Sinn, eine Brücke auswechseln/sanieren ist um einiges teurer.
Mal hier, mal da

Gruß Henry


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